Auf den Kilimandscharo – Eine Reise, die bleibt (Teil 2)

Kapitel 2: Der Aufstieg beginnt

Der Start in ein neues Abenteuer

Am vierten Tag unserer Reise beginnt das eigentliche Abenteuer: der Aufstieg zum Gipfel des Kilimandscharo. Wir werden früh morgens vom Hotel abgeholt und fahren zwei Stunden zum Startpunkt unserer Route. Die Atmosphäre im Fahrzeug ist erwartungsvoll still. Jeder weiß, dass nun eine körperliche und mentale Herausforderung beginnt, auf die wir uns zwar vorbereitet haben, deren Intensität aber niemand wirklich einschätzen kann.

Unser Einstieg erfolgt auf etwa 2.000 Metern Höhe. Die Route, die wir gewählt haben, ist die sogenannte Lemosho-Route – bekannt für ihre landschaftliche Vielfalt und gute Akklimatisierungsmöglichkeiten. Unser Team vor Ort umfasst 26 Personen: Guides, Träger, Köche. Für eine sechsköpfige Gruppe mag das überdimensioniert wirken, aber wer einmal gesehen hat, was alles mitgeschleppt wird – Zelte, Toiletten, Küchenausstattung, Vorräte – weiß, dass jede helfende Hand gebraucht wird.

Regenwald und erste Herausforderungen

Noch bevor wir starten, zieht ein leichter Regen auf. Ironischerweise beginnt unser Weg durch den Regenwald. Schnell wird klar, warum diese Klimazone ihren Namen trägt: Es regnet unaufhörlich, wenn auch nicht heftig. Der Pfad ist schlammig, die Luft feucht und schwer. Trotzdem ist die Stimmung gut. Alles ist neu, ungewohnt, aufregend. Immer wieder begegnen uns Gruppen anderer Nationalitäten – aus den USA, Südkorea, Frankreich. Alle mit demselben Ziel, aber jeweils ganz eigener Dynamik.

Nach fünf Stunden erreichen wir das erste Camp auf ca. 2.650 Metern. Die Zelte stehen bereits, unsere Taschen liegen bereit. Es gibt heißen Tee, Popcorn und Spaghetti. Ein kleines Festmahl nach dem ersten Tag. Abends wird es deutlich kühler, in der Nacht sinken die Temperaturen unter 10 Grad. Unsere Schlafsäcke halten gut warm, und das leise Rascheln der Affen in den umliegenden Bäumen wird zur Hintergrundmelodie der ersten Zeltnacht.

Akklimatisierung und Grenzen

Am zweiten Trekkingtag steigen wir weiter auf bis auf rund 3.600 Meter. Die Vegetation ändert sich sichtbar. Der dichte Regenwald lichtet sich, es wird trockener, kühler, offener. Zum ersten Mal öffnet sich der Blick auf den Gipfel des Kilimandscharo, auch wenn er noch fern und von Wolken verhangen ist. In der Nacht gibt es leichten Frost. Das Atmen wird anstrengender, Gespräche werden kürzer. Wir messen regelmäßig den Sauerstoffgehalt im Blut und den Ruhepuls. Bei einigen sinkt der Wert auf unter 85 Prozent – noch unbedenklich, aber ein Zeichen dafür, dass die Höhe nicht spurlos an uns vorbeigeht. Einer der Teilnehmer beschließt, die Tour abzubrechen – nicht aus akuter Not, sondern aus dem Gefühl heraus, dass er den restlichen Weg nur unter großer Anstrengung schaffen würde. Eine Entscheidung, die jeder respektiert. Am dritten Tag wird erstmals ein Akklimatisierungstag eingelegt. Wir steigen auf 4.200 Meter, verbringen dort einige Stunden und steigen dann wieder auf 3.900 Meter ab, wo wir übernachten. Der Trick ist einfach: „Climb high, sleep low“. Diese Strategie hilft dem Körper, sich besser an die Höhe zu gewöhnen und reduziert das Risiko einer Höhenkrankheit. Die Körper sind erschöpft, aber die Stimmung bleibt positiv. Jeder Schritt bringt uns näher ans Ziel, und langsam entsteht das Gefühl, dass man es schaffen kann – auch wenn noch viele harte Kilometer vor uns liegen.
Timo Horn
timo@hornevents.de